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Grundfragen nach Instrumentenübernahme
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THEMA: Grundfragen nach Instrumentenübernahme

Grundfragen nach Instrumentenübernahme 3 Jahre, 4 Monate her #209

Hallo,
...nachdem meine Großmutter aufgrund Ihres Alters leider nicht mehr fähig ist Ihre Instrumente zu nutzen, hat Sie sie mir überlassen.

Nun muss ich sagen dass mir, mit meiner kleinen Tochter und Vollzeitjob, neben meinen anderen Hobbys, wohl die Zeit fehlt mich wirklich damit zu beschäftigen. Noch dazu habe ich auch eine wirklich schön klingende Gitarre von Ihr bekommen und werde mich wohl eher damit anfreunden können.

Jetzt möchte ich die guten Stücke aber auch nicht verkommen lassen und mich wenigstens grundlegend darüber informieren. Von daher hätte ich ein paar, warscheinlich für den Kenner, völlig lapidare Fragen.

1: Woran erkenne ich um was für eine Gambe es sich handelt (Bassgambe, Diskantgambe, ..., Schülerinstrument, wie nennt man anderes? "Meisterinstrument"?)

2: Wie sollte ich solche Instrumente im Idealfall aufbewahren und Pflegen?

3: Bei beiden ist, innenseitig, klein auf einem "Bodenbrett" W. A. Uebel eingestanzt! Gibt mir dies Auskunft über die Herkunft? ...und wenn Ja, was sagt es mir?

4: Auf was für evtl. Schäden sollte ich Sie untersuchen?

5: Wie ist ein Wert grob einzuschätzen? Gibt es evtl hier im Forum jemanden der nicht zu weit entfernt wohnt und Interesse hätte sich die Instrumente anzuschauen? Würde dann gerne auf einen Besuch zum netten Gespräch bei Tee o.ä. vorbeikommen.

So, erstmal genug gefragt, nun hoffe ich ein wenig schlauer zu werden.

Vielen Dank schon mal im Vorraus für die, wie ich hoffe, zahlreichen Erklärungen. Wenn es denn Fotos hierfür benötigt, mache ich natürlich gerne welche.

Ach so, eine "Wulf-Meisterfidel Nr.1370" habe ich ebenso von Ihr bekommen. Evtl. kann mir hier auch jemand etwas darüber erzählen.

Mit besten Grüßen
Thomas

Aw: Grundfragen nach Instrumentenübernahme 3 Jahre, 4 Monate her #210

  • Martin
  • OFFLINE
  • Beiträge: 11
Hallo Thomas,

ohne Experte zu sein, kann ich zu Deinen Fragen etwas beitragen:

ad 1) Bass-, Tenor-/Alt- und Diskantgambe unterscheiden sich in ihren Größen bzw. in den damit verbunden schwingenden Saitenlängen (Entfernung von Obersattel zu Steg), die ja in Kombination mit Saitenspannung, -durchmesser und -material die klingende Tonhöhe definieren. Da gibt es jeweils eine gewisse Bandbreite, Bassgamben haben Saitenlängen von deutlich über 60 bis 70 und mehr cm, Tenor-/Altgamben über 40 bis ca. 55 cm, Diskantgamben eher unter 40 cm.

ad 2) Wenn voll intakte Instrumente nicht genutzt werden, sollte die Saitenspannung etwas herabgesetzt werden, aber nicht zu sehr, weil sonst der Stimmstock umfallen kann. Wenn nicht klar ist, ob überhaupt ein Stimmstock (richtig) platziert ist, dürfen keine Saiten aufgezogen werden! Am besten ist es, wenn Instrumente im Etui aufbewahrt werden, die Luftfeuchtigkeit sollte nicht zu niedrig und nicht zu hoch sein, aber bei normalen Verhältnissen in mitteleuropäischen Wohnungen (nicht Keller!) würde ich mir keine Sorgen machen.

ad 3) Wolfgang Uebel hatte eine bekannte Geigen- und Gambenbauwerkstatt in Celle, Bassgamben von ihm werden ab 3000 Euro angeboten (derzeit auch auf dem Marktplatz dieses Portals).

ad 4) Offene oder geschlossene Risse, insbesondere im Bereich der Stimmstöcke; gibt es Nebengeräusche beim Spielen oder beim Anklopfen von Boden und Decke? Bei einem Rasseln könnte sich beispielsweise herausstellen, dass Verleimungen sich gelöst haben, was je nach Ort einen nur kleinen oder großen Reparaturaufwand bedeuten kann. Offensichtlich Schäden kann ein Laie natürlich sehen, beurteilen und erkennen von versteckten Mängeln kann letztlich nur Fachpersonal, ich empfehle Dir, wenn möglich, eine/n Gambenbauer/in aufzusuchen. Wo wohnst Du?

ad 5) Der Wert richtet sich nach einer Expertise, die einerseits stark von den Produktionsbedingungen (Herkunft, Werkstatt- oder Meisterinstrument) dem Zustand und den instrumentlichen Qualitäten einerseits UND dem Marktgeschehen andererseits abhängig ist. Wenn Du viel Zeit hast, eventuell einen Geigenbauer, über den Du das Instrument verkaufen kannst, dann wirst Du einen deutlich höheren Preis erzielen als etwa über Ebay, wo ein schneller Verkauf u.U. nur die Hälfte erzielt. - Ich probiere immer gerne unbekannte Instrumente aus (vorbehaltlich des unter Punkt 4 Gesagten) ...

Soweit
viele Grüße aus Düsseldorf
Martin

Aw: Grundfragen nach Instrumentenübernahme 3 Jahre, 4 Monate her #211

Hallo Martin,

...und erstmal vielen Dank für deine schnelle und ausführliche Antwort.

Insgesamt weiß ich jetzt schon mal das ich eine Bassgambe (ca. 68cm) und eine Tenor-/Altgambe (ca. 52cm) besitze.

Beide wurden dann wohl in Celle Bei wolfgang Uebel gebaut.
Mir ist noch aufgefallen, dass die kleinere auf dem Boden, vor dem Hals, ein Brandzeichen hat, welches bei der Bassgambe nicht vorhanden ist. Kann man hieraus weitere Rückschlüsse ziehen?

Desweiteren habe ich bei der Lagerung schon mal keine Fehler gemacht und bin erstmal beruhigt (Habe sie beide im Etui, ohne allzuviel Spannung bekommen).

Zu den Schäden:
Für mich als völliger Laie ist auf jeden Fall klar erkennbar:
Bei beiden muss mindestens eine Saite (evtl mehr) erneuert werden, habe aber auch noch welche hinzubekommen.
Bei der kleinen fällt leider etwas innen herum, hört sich wie ein ziemlich kleines Stück an.
Ansonsten würde ich den Rest als Gebrauchsspuren bezeichnen (hier und da kleine Macken/Dellchen am Rand oder kleine Kratzerchen).
Für den Rest hatte ich auch daran gedacht mal Fachpersonal aufzusuchen, vielleicht kannst du, oder jemand aus dem Forum, mir einen Kundigen in meiner Umgebung nennen. Ich komme aus Hessen, Marburg um genauer zu sein.

Zu Punkt 5 muss ich dann wohl eh erstmal jemanden finden der mir genauer sagen kann in welchem Zustand sich die guten Stücke befinden. Ansonsten ist keine Not am Mann, also einen E-Bay-Verkauf wollte ich nicht daraus machen. Denke nämlich auch das der Käufer solch ein Instrument besser probespielt ob es ihm liegt.


Mit Gruß zurück aus Marburg
Thomas
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